Mysterium Tremendum I
Fusion Art
Fusion Art ist ein hybrides Verfahren aus generativer KI und digitaler Collage von Hand. Die KI liefert das Rohmaterial: Dutzende Bildvarianten pro Werk. Das Werk selbst entsteht danach, Ebene für Ebene, durch Auswählen, Freistellen, Überlagern und Verwerfen. Das Modell liefert das Vokabular. Komposition und jede Entscheidung darüber, was bleibt und was verschwindet, stammen vom Künstler.
Mysterium Tremendum
Aus der Entfernung sieht man das Erhabene. Wolken und Flügel, Gold und Ornament, Gestirne im Dunkel. Wer näher tritt, sieht etwas anderes: Körper, die nicht aufsteigen, sondern stürzen. Gesichter, die zerfallen. Schädel, wo eben noch Schmuck war.
Mysterium Tremendum handelt vom Glauben, und zwar von beiden Seiten. Von der Kraft, die er gibt, und von dem, was er verlangt. Vom Trost und vom Zweifel. Gemeint ist nicht eine bestimmte Religion, sondern jede Form von Glauben: an einen Gott, an eine Ordnung der Welt, an die Schönheit selbst. Die Motive wechseln von Bild zu Bild, vom Himmel der Sakralmalerei über das Stillleben der Vergänglichkeit bis in den Kosmos. Das Gefühl bleibt dasselbe.
Jedes Werk ist darauf angelegt, mehrmals betrachtet zu werden. Das Schöne und das Schreckliche liegen nicht nebeneinander, sondern ineinander.
Der Titel
Der Begriff stammt vom deutschen Theologen und Religionswissenschaftler Rudolf Otto. In seinem Buch „Das Heilige“ (1917) beschreibt er die Erfahrung des Göttlichen als „mysterium tremendum et fascinans“: ein Geheimnis, das den Menschen zugleich erschauern lässt und unwiderstehlich anzieht. Otto fand diese doppelte Erfahrung in allen Religionen wieder.
Die Technik
Generative KI wurde eingesetzt, um das visuelle Rohmaterial zu erzeugen, nicht das fertige Werk. Für jedes Bild der Serie habe ich über Dutzende Prompts und Promptvarianten Material generiert und dabei systematisch verändert, was das Bild trägt: Architektur, Dichte der Figuren, Licht, Farbwelt, Grad des Verfalls. So entstand jeweils ein Fundus mit einheitlicher Bildsprache, in dem kein einziges Bild für sich allein verwendbar war.
Das fertige Werk ist von Hand gebaut. Aus diesen Generierungen habe ich Fragmente herausgelöst (einzelne Figuren, Flügel, Gesichter, Architekturteile, Passagen aus Ornament und Textur) und über viele Ebenen hinweg zusammengesetzt. Gesteuert habe ich das Ergebnis über Mischmodi, Deckkraft, Masken und manuelle Retusche. Bereiche wurden entfernt, andere verstärkt. Jede Ebene ist bewusst gewählt und platziert: wohin das Licht fällt, wo die Fläche sich verdichtet und wo sie aufreißt, welche Figuren lesbar bleiben und welche sich in der Oberfläche auflösen.
Dieser Prozess dauert Stunden, manchmal Tage. Er endet erst, wenn das Bild aus der Ferne etwas anderes zeigt als aus der Nähe.
Das Modell hat das Vokabular geliefert. Komposition, Hierarchie, Farbarchitektur und jede Entscheidung darüber, was bleibt und was verschwindet, stammen von mir. Kein generiertes Bild ist als Ganzes in ein Werk übernommen. Wo einzelne Bereiche erkennbar bleiben, sind sie bewusst gewählt und in einen neuen Zusammenhang gesetzt.
Prints
- 7 Werke
- Limitierte Auflage: 1 Druck je Werk, dazu je 1 Artist’s Proof
- 14 Drucke insgesamt
- Signiert
- inkl. Zertifikat
- In Wunschgröße erhältlich, von 30 × 45 cm bis 110 × 165 cm
- Fine-Art-Galeriedruck